Minztee vs. Coca Cola

„Seit Anbeginn der Zeit bildet Marokko eine Brücke zwischen dem Orient, Afrika und Europa“[1]. Kommt man in Tanger an, der Stadt, die genau diesen Übergang markiert, fällt es einem schwer, diese einzuordnen. Eingestellt ist man auf die Notwendigkeit einer kulturellen Umorientierung seiner selbst: schließlich befindet man sich jetzt in einem muslimischen geprägten Land. Man erwartet – im Vergleich zum „fortschrittlichen Europa“ – eine Stadt, die  hängengeblieben ist in den Zeiten von „Tausendundeinernacht“, in der man Wüstenstaub, ein bisschen Magie, vielleicht einen Hauch von unkomplizierte Naivität findet. Kurz: Man rechnet mit dem typischen „Morgenland“. Fast geschockt ist man also, wenn man auf dem  „Place d’Iberia“, dem Eingang zur Altstadt, auf ein riesiges Coca-Cola-Plakat stößt, welches einen auffälligen Eye-Catcher darstellt. Ein Stück weiter stehen drei Männer im Anzug, fleißig auf ihren IPhones herum tippend. Ein Zeichen des Westens, der Moderne, des Kommerzes. Der großen Einkaufsstraße folgend in Richtung Innenstadt, findet man schnell Männer in wallenden Gewändern, hennabemalte Frauen und traditionelle arabische Musik, die aus zahlreichen Cafés schallt, in denen Menschen Brettspiele spielen. Ein Kontrast. Nun liegt die Frage nahe: In wiewiefern ist Marokko Teil des „Westens“ ist, bzw. orientiert es sich an ihm?

 „Der Westen“: Versuch einer Definition

Will man diesen Kontrast, oder auch Konflikt, vereinfachen, könnte man ihn „Morgenland vs. Abendland“  benennen, altmodische Begriffe, die von Martin Luther[2] geprägt wurden. Doch ihn in dieser Hinsicht zu banalisieren ist gar nicht mal so einfach. Um eine Grundlage für eine Analyse zu schaffen, ist es erstmal notwendig, den „Westen“/“das Abendland“ zu definieren. Was ist in typisch-westlichen Wertevorstellungen inkludiert – die Moral europäischer Intelektueller vermischt mit den Parolen Donald Trumps? Der „Westen“ ist das Ergebnis der transatlantischen Kooperation, er schließt die Erschaffung (und Erhaltung) von Bürger-und Menschenrechten sowie Gewaltenteilung ein, er ist geprägt durch das Erbe der amerikanischen und französischen Revolution.

„Wer sich selbst und andere kennt
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen“
J.W. Goethe

So zumindest lautet die Definition von dem deutschen Historiker H.A. Winkler. Der polnische Philosoph Leszek Kolakowski  stimmt mit dieser Position überein, und fügt hinzu, der Westen bedeute die Fähigkeit, sich selber in Frage zu stellen. Oft gleichgesetzt wird er mit wirtschaftlichem Erfolg (im Zuge einer kapitalistischen Marktwirtschaft[2]) und einer „funktionierenden“, repräsentativen und liberalen Demokratie. Der Begriff ist geprägt von der christlichen Tradition, von Macht, von technologischem Fortschritt. Von ökonomischer Effizienz, von Konsumdenken sowie von Säkularisierung. Von Kultur und Geschichte. Auf all diese Verbindungen stößt man, durchforstet man das Internet nach der Definition dieses Worts. Jedoch kann man den „Westen“ nicht homogenisieren, er existiert nicht als die eine große Einheit. Guckt man sich z.B. die geographischen Gemeinsamkeiten an, sind diese gleich Null: Sowohl Europa, als auch Nordamerika und (das kolonialisierte) Australien gehören dazu, Staaten, die definitiv weiter auseinanderliegen als Frankreich und Marokko. Auch ist der sogenannte Westen voller Widersprüche. Als Beispiel kann man die Wackel-Kandidaten Griechenland, Portugal, etc. anschauen die nach der Definition der Macht und ökonomischen Effizienz ganz bestimmt nicht zur vorher aufgestellten Definition des Westens gehören. Und die AfD möchte erreichen, dass die Frau nur noch am Herd steht, soviel zu der fortschrittlichen Stellung der Frau. Auch mit Blick auf die Menschenrechte kann man wohl – nach Definition – kaum das Foltergefängnis Guantanamo oder die Spionage der NSA tolerieren, welche man in den USA findet. Ein Indiz dafür, dass man vorsichtig damit sein muss, dieses Wort als Verallgemeinerung und Mittel zur Abspaltung zu gebrauchen. Trotzdem schließt man diese Länder in dieser Definition mit ein – warum? Vielleicht weil sie im entsprechend passenden Gebiet zu finden sind, dieselben Wertevorstellung teilen. Auch weil sie Teil der „ersten Welt“ sind und die Bevölkerungen stark christlich geprägt sind. Dies steht so anscheinend im Widerspruch zum typisch „orientalisch-afrikanischen Morgenland“ Marokko.

Warum ist Marokko nicht Teil des „Westens“?

Beziehungsweise, was fehlt dem Land, um als Teil des „Westens“ angesehen zu werden? Als Hauptgründe springen einem die islamische Prägung der Bevölkerung und das Fehlen der Säkularisierung ins Auge. Auch ist unser Bild von Marokko beeinflusst von den Medien, die vom religiösen Fanatismus, Unterdrückung, Armut und Folter berichten. Stimmt alles, das ist unbestreitbar – 32% der Bevölkerung lebt von nur zehn Cent am Tag, Frauenrechte gibt es nur auf dem Papier, die Analphabeten-Rate der 16-Jährigen lag 2015 bei 30 Prozent[3]. Und der von der CIA und vom König beförderte Geheimdienst DGSF betreibt das für seine Foltermethoden bekannte „Ain Aouda secret prison“. Hinzu kommt, dass die Pressefreiheit  gleich null ist, „Reporter ohne Grenzen“ erhob mehrmals Vorwürfe gegen die Regierung aufgrund von Inhaftierung und Folter von Journalisten.[4] Ein weiterer Faktor, welcher gegen die Zugehörigkeit zum „Westen“ spricht, ist – na klar – die Macht des Königs, welche die marokkanische Alternative zur „westlichen“ Gewaltenteilung ist. Die hier herrschende „monarchische Demokratie“ ist alles andere als fortschrittlich. In diesem Sinne wird das maghrebinische Wort Hogra, das für die gewalttätige Missachtung und Entwürdigung der Bürger durch den Polizeistaat steht, seit kurzem von Kritikern und Demonstranten als Protestparole gerbraucht.[5]

Auch spielt das strengere Aufrechterhalten von Traditionen und Gebräuchen mit in die Prägung des Bildes ein, welche die Mentalität vieler tatsächlich auch noch zu beeinflussen scheint. Dies äußert sich im Kleinen z.B. durch die starke Stellung der Ehe und Familie, die Begeisterung für die traditionelle Gnawa Musik, das unbestreitbare Couscous-Essen freitags. Kritisch wird das Festhalten an Traditionen, schaut man darauf, wie bedingungslos und unhinterfragt der Königs verherrlicht wird. Oder – in Bezug auf die Stellung der Frau – wieviele Frauen nicht arbeiten, zu Hause bleiben, geschlagen werden. Häusliche Gewalt wird in Marokko nicht geahndet [6], auch sieht man keine TaxifahrerIN, keine LadenbesitzerIN in Tanger. In vielen Bars und Cafés wäre es merkwürdig, wenn eine Frau auftauchen würde – dies sind reine „Männerorte“. Und an diesen Traditionen wird festgehalten, sie sind der Stolz der Bevölkerung.

Der „Westen“ als Vorbildrolle

Der Großteil der Bevölkerung Marokkos ist stolz auf seine Traditionen/Werte. Das bedeutet aber nicht – entgegen allen Klischees – dass Marokko ein Land ist, welches nicht mit der rasanten Weiterentwicklung des Westens mitgehen wollen würde. Allein der Ländername bedeutet literarisch übersetzt sogar „der Westen“. So wird sowohl technisch als auch politisch versucht, mit Europa mitzuhalten, es wird sich am nördlich gelegenen Kontinent orientiert. Wie zeigt sich das?

Gespräch aus meinem Unterricht:
Ich: Was machen deine Eltern von Beruf?
Schülerin(strahlend): Mein Vater ist Kapitalist!
Ich: Aha. Was bedeutet das, wo arbeitet er?
Schülerin (strahlend): Er verkauft Datteln im Kiosk!

Im Klischee eines „westlichen“ Landes spielt das Streben nach und der Erfolg mit wirtschaftlichem Erfolg eine zentrale Rolle. Ein Mittel zum Zweck ist hierbei ein „gut funktionierender“ Kapitalismus, in welchem es eine stark ausgeprägte, in der Ökonomie verankerte Mittelschicht gibt. Diese beinhaltet arbeitende Menschen in den Branchen BWL, Marketing, etc. Erfolgssuchende, Erfolgsfindende. Auch hier steht Familie und Tradition im Vordergrund, welche vom wirtschaftlichen Erfolg bedingt werden. Einziger Unterschied zu der marokkanischen: sie ist meist christlich geprägt. Aber auch das marokkanische System ist ein durchgehend kapitalistisches, die Bevölkerung passt sich an. Selbst der „einfache“ Markthändler ist Kapitalist insofern, als das er ein Privatunternehmer ist, der gewinnorientiert wirtschaftet. Die Bevölkerung möchte zur „oberen Schicht“ gehören und mit dem „Westen“ mithalten können. Das zeigt sich zum einen in der Politik: seid Jahren gibt es neben der monarchischen Struktur ein Parlament und Wahlen. Das dies nicht viel zu sagen hat, ist zweitrangig. Zum anderen sind z.B. westlich orientierte Clubs sehr beliebt, wo die Besucher sich „chic machen“, Alkohol trinken und sich „dazugehörig“ und reich fühlen. So z.B. das „Chella Hotel“ oder der „TangerInn“ Club, in welche man Abende verbringt, um für kurze Zeit aus der von Armut und Tradition geprägten Welt Marokkos zu fliehen. Auch im Westen hergestellte Produkte sind beliebt und „cool“ – z.B. Coca Cola, IPhones etc. sowie gefälschte, billige Kleidung von Chanel, Fred Perry usw. sind der letzte Schrei. Auf Besucher aus Europa wirkt dies wie eine gewollte Nachahme, wie ein guter Versuch mitzuhalten der jedoch im Endeffekt erfolglos bleibt. Es ist eine paradoxe Situation – oder alles nur Fassade?

Zusätzlich fasst das Phänomen der Gentrifizierung hier Fuß, an der schönen Strandpromenade Tangers ist gerade eine große Shoppingmall im Entstehen begriffen, mit allem, was das Herz begehrt: Kino, Nightclub, McDonalds. Sie verdrängt die „kleinen“ Klamotten und Süßwarenverkäufer, die dort bis jetzt zahlreich zu finden waren. Also: für viele ist die „Verwestlichung“ nur Fassade, ja. Aber nicht für alle!

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Eine Frage der Bildung

Ein weiterer, großer Faktor der Orientierung am Westen ist die Bildung, die Hand in Hand geht mit der Sprache: Wer in Marokko beruflichen Erfolg haben möchte, muss als Minimumvoraussetzung perfekt Französisch können – eine Prägung der Protektoratszeit der Franzosen im 20. Jahrhundert.  Auch der Großteil der Universitätskurse wird auf dieser Sprache gegeben, die guten Schulen sind die Bilingualen. Das Problem hierbei ist, dass diese westliche Orientierung Reichtum und Erfolg bedeutet – und das bedingt sich. Nur die Leute mit Geld können sich bilinguale Schulen und Sprachkurse für ihre Kinder leisten. Geld gleich westliche Bildung – das Rezept zum Erfolg. Und genau hier liegt der Schlüssel des Problems: die (fehlende) Bildung, die sich am Westen orientiert, schafft eine große Kluft zwischen arm und reich. Haben die Eltern kein Geld, um die Bildung des Kindes zu finanzieren, sind diesem viele Berufe nicht vergönnt, mit denen man Geld verdienen könnte, es bleibt in seiner „Kaste“. Das zweite Problem besteht darin, dass alle die, die entsprechende Bildung genießen, mit westlichen Firmen zusammenarbeiten. Zum Beispiel SIEMENS, dessen Produkte die marokkanischen auf dem Markt verdrängen. So wird aus der westlichen Orientierung eine Verdrängung, sie nimmt marokkanischen Produkten/Ansätzen die Chance, sich erfolgreich auszubreiten.

Hinzu kommt, dass alle diejenigen, die die entsprechende Bildung genießen und diesen kritischen Punkt erfassen und ihn verurteilen auswandern – anstatt etwas an diesem Problem innerhalb des Landes zu verändern. Sie sehen Vorteile in Ländern wie Frankreich, Deutschland, England, so z.B. die Auslebung des Individualismus des Einzelnen, die „Coolheit“ und Kreativität die man dort findet. Sie sehen in diesen Ländern die Chance auf Freiheit und weniger Einschränkungen, die die Traditionen und Berufschancen hier auferlegen – allein mit Blick auf Tabus wie öffentlich auf der Straße küssen, Miniröcke tragen etc. Kurz: Der Westen gilt als offener, freier. Also, je mehr Geld, Bildung genossen wird, desto mehr kann sich am Westen orientiert werden. Und je ärmer der Einwohner, desto mehr wird an Traditionen/Religion festgehalten. An eine Verbesserung der Situation oder gar eine „Revolution“ denkt hier niemand. Als Erklärung kann man einen Blick auf die Maslowsche Bedürfnispyramide[7] werfen, nach der jedes Individuum zuerst die Faktoren der körperlichen Grundbedürfnisse und der Sicherheit befriedigen muss. Sind diese nicht abgedeckt, kann man sich nicht dem Ziel der Selbstverwirklichung hingeben. Das heißt im Fall der Bevölkerung Marokkos, dass der dominierende, ärmere Teil der Bevölkerung nicht an einen Systemwandel denkt, da er noch nicht einmal in der Lage ist, die erste Stufe der Bedürfnispyramide abzudecken. Natürlich ist auch dies wieder eine Verallgemeinerung, eine Analyse der Mehrzahl: siehe Ausnahmen der Regel wie die jüngsten Aufstände der „Armen“ auf Grund des von der Polizei ermordeten Fischhändlers [8], die zeigen, dass sich auch diejenigen, die sich vorrangig auf seinen eigenen Bedürfnisse kümmern müssen, sich nicht automatisch alles von der Regierung gefallen lassen.

Jedoch zeigt sich, dass sich die Depression mit jedem weiteren unerfolgreichen Versuch steigert, etwas an der Denkweise oder dem System zu ändern. Siehe so die marokkanischen Teilnahme am arabischen Frühling: Die F20-Bewegung hat in diesem Lande im Jahr 2011 Proteste vorangetrieben, die weniger Autorität des Königs verlangten – aber nach ein paar Monaten die Luft verloren. Der König gab dem Parlament offiziell ein paar mehr Rechte (was im Endeffekt ausnahmelos nichts verändert hat) und das Volk war teilweise zufriedengestellt, teilweise deprimiert von seiner Machtlosigkeit. Was der König tut, wird schon richtig sein, er hat eine Verbindungmit Allah. Das ist der Mythos, die Meinung, die der Großteil der Bevölkerung vertritt.

Und hier wäre man beim Thema Religion angekommen. Armut heißt in vielen Teilen der Welt eine stärkere Orientierung hin zum Glauben, man muss ja irgendwo her seine Hoffnung schöpfen. In Marokko ist dies nun einmal der Islam, und logischerweise ist dieser in ärmeren/ungebildeteren Familien stärker zelebriert. Je ärmer die Person, desto mehr verstärkt sich (oftmals) ihre Überzeugung für den König sowie für Allah. Morgen wird alles besser, Inshaahllah, so Gott will. Nun wird die „muslimische“ Prägung oft als klares Ausschlusskriterium für einen „westlichen“ Staat angesehen. Kann man das so vereinfachen? Zumindest kann man feststellen, dass das der christliche Fundamentalismus stark die westlichen Wertevorstellungen prägt. Dies zeigt sich so z.B. durch die weitgehende Inakzeptanz der LGBT-Gemeinschaft oder das Ablehnen von Schwangerschaftsabbrüchen, sogar teilweise durch die die Verleugnung der Evolution. Dies sah man wiedermal im vergangenen Wahlkampf in den USA.[9] Diese Kampagnen sind ein Zeichen, dass auch in vielen der großen, mächtigen, westlichen Staaten die Säkularisierung noch nicht sehr weit vorangeschritten ist. Ein Überschneidungspunkt.

Fazit

Seit Marokko vor knapp 60 Jahren seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangt hat, ist es im Prozess begriffen, sich zu entwickeln – doch in welche Richtung ist noch nicht ganz schlüssig. Tradition und Fortschritt spalten das Land in arm und reich. Mit seiner Monarchie und der fundamentalistischen Prägung wird es von europäischen Ländern nie als Teil des „Westens“ angesehen werden – denn dies ist definitiv kein Zeichen von Fortschritt! Das relativ neu entstandene Parlament ist „immerhin etwas“ – nur muss dies noch an Bedeutung gewinnen. Außerdem ist Säkularisierung ein unbedingt notwendiger Faktor, ausgehend vom König wie auch in den Parteien.

Des weiteren besteht das Problem Marokkos definitiv in der starken Überzeugung in Bezug auf Nationalismus und Tradition. Der Großteil der Bevölkerung ist stolz auf sein Land und kommt so zum Beispiel gar nicht auf die Idee, die Position des Königs oder das Fehlen des Laizismus anzuzweifeln. Diesen Stolz, diese Überheblichkeit, erkennt man auch darin, dass die Auslebung von Rassismus hier ganz groß ist: Marokko sieht sich nicht als Teil von Afrika, dementsprechend werden alle mit einer dunklen Hautfarbe als „die Afrikaner“ beschimpft.  Die Angst besteht darin, bei einer zu starken Abweichung dieser Faktoren auch die Kultur und Tradition zu verlieren. Und dies ist der Grund, warum die positiven Seiten des Westens wie Pressefreiheit, Menschenrechte, teilweise Toleranz etc. links liegen bleiben. Doch weniger Einfluss des Islams in der Politik muss nicht gleich bedeuten, dass dies Kultur oder die freie Auslebung des Islams untergräbt. Beide Faktoren können sich die Waage halten. Im Gegenteil, ein Schritt in Richtung Laizismus würde gar besser zu dem offenen Wesen und der identité plurielle passen, auf die die arabische Bevölkerung so stolz ist. Doch leider ist daran in der momentanen Situation nicht zu denken.

Marokko ist geprägt von seiner Tradition, seiner Kultur. Und das ist gut so, darum habe ich das Land und die Bevölkerung ins Herz geschlossen. Die Offenheit, die bunten Gewänder, die Musik. Wie langweilig und schade wäre es, würde dies alles durch eine zu stark ausgeprägte Orientierung am westlichen Lebensstil und Kommerz verloren gehen. Und doch, auf anderer Ebene, ist Modernisierung unbedingt notwendig. Ein Land, in denen Frauenrechte und Pressefreiheit nicht existieren und in dem die Handlung der Politik klar durch die Einflüsse des Islams geprägt sind, braucht in ebendiesen Strukturen einen Wandel. Und dieser Wandel ist nur zu erreichen mithilfe von Bildung – die bis jetzt an vielerlei Orten fehlt. Nur der König hat die Macht, daran etwas zu ändern, schade, dass er dies nicht tut. Klar, es ist leichter ein Volk mit geringer Bildung zu regieren, dies verhindert Frust und Proteste. Die Frage kommt auf, ob Marokko – im Sinne seiner voranschreitenden Entwicklung – nur die negativen Seiten des Westens annimmt, wie das Orientierungsmerkmal Kapitalismus. Die Antwort: Nein, nicht ausschließlich. Manche Ansätze auf kultureller Ebene schaffen eine gute Mischung, so die Musikgruppe „Love and Revenge“, deren Musik ein Mix aus „westlichem“ Techno und traditioneller arabischer Musik ist. Ein Paradebeispiel dafür, dass Tradition und Kultur den Fortschritt und die Weiterentwicklung nicht immer aufhalten müssen. Wäre diese gutgelungene Melange doch auch in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu finden! Jedoch hat es im Moment nicht den Ansatz, als würden westliche Einflüsse dominieren: Coca Cola wird hier doch eher nur zur Not getrunken, das Konsummittel Nummer eins bleibt Grüntee. Schaut man nun zur guter Letzt nochmal auf die AfD sowie Guantanamo etc. muss man sagen, dass die Zugehörigkeit zum Westen schlicht eine offene Definition ist – und Marokko bestimmte Aspekte hiervon schon vertritt und mit Sicherheit eine Entwicklungschance hat. Ich muss Goethe zustimmen: „Orient und Okzident sind [bald] nicht mehr zu trennen“.

Quellen:

[1] Allesübermarokko.com

 [2https://de.wikipedia.org/wiki/Westliche_Welt#.E2.80.9EErste_Welt.E2.80.9C_und_OECD

[3] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Marokko/Kultur-UndBildungspolitik_node.html

[4] https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2016/

[5] Die ZEIT, 10. November 2016, Mohamed Amjahid

[6] http://www.bento.de/politik/in-vielen-arabischen-laendern-gibt-es-regelmaessig-sexuelle-gewalt-gegen-frauen-wie-kommt-das-245309/

[7] http://www.rechnungswesen-verstehen.de/app/webroot/upload/beduerfnispyramide.jpg

[8] http://www.alsharq.de/2016/nordafrika/marokko/nach-dem-tod-von-mohsin-fikri-weitere-proteste-in-marokko/

[9] http://www.deutschlandradiokultur.de/christliche-fundamentalisten-in-den-usa-alles-soll-so.976.de.html?dram:article_id=360023

Textfeld: http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/13.htm

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